
So voll sind die deutschen Gasspeicher. Im Mittel der letzten Jahre lagen wir Anfang Mai eher bei 50 bis 60 %.
Bis November sollen es 80 % sein, so will es das Gesetz. Rund 130 TWh in sechs Monaten. Machbar – wenn ein paar Annahmen halten.
Annahme 1:
Wir steigen geordnet aus russischem Gas aus. Seit dem 25. April ist der EU-Spotbann für russisches LNG aktiv. Diese Maitage sind die ersten, in denen der europäische LNG-Markt ohne russische Spotmengen läuft. Das Sicherheitsventil, mit dem Käufer auf Preisspitzen reagieren konnten – zu. Pipelinegas läuft noch, langfristige Verträge auch. Bis Putin sich entscheidet, dass es ihm reicht.
Anfang März hat er offen darüber nachgedacht: „Vielleicht ist es vorteilhafter, jetzt sofort die Lieferungen für den europäischen Markt einzustellen.“ China zahlt schließlich mit. Wir wollten raus aus russischer Energie. Jetzt nimmt uns Russland die Entscheidung womöglich ab. Nur eben nicht zu unserem Zeitplan.
Annahme 2:
Die USA liefern weiter zuverlässig. Trump verhandelt aber gerade ein Handelspaket mit China. Was Peking anbieten kann, um das Defizit zu glätten? Langfristige LNG-Abnahmeverträge mit US-Exporteuren. Genau das gab es schon mal, im Phase-One-Deal 2020.
Passiert das wieder, wandern US-Mengen langfristig nach Asien. Bleiben Norwegen, Algerien, Katar. Katar liegt hinter Hormus.
Und der EU-Gaspreisdeckel?
Greift erst bei 180 €/MWh, und nur wenn TTF 35 € über dem LNG-Weltpreis liegt. Im globalen Bieterkrieg steigt der Weltpreis aber mit. Der Deckel schützt vor europäischen Sonderwegen. Nicht vor globaler Knappheit.
TTF zwischen 50 und 70 €/MWh wären dann nicht der schlechte Tag, sondern Normalität.
Russland und USA verhandeln gerade über Energieflüsse mit China. Wir sitzen in beiden Gesprächen nicht am Tisch. Und Brüssels Schutzschild greift genau dort nicht, wo wir ihn bräuchten.
Wer 2027 plant, sollte einrechnen: Beim LNG sind wir nicht der erste Abnehmer. Wir sind der zweite.
Was das konkret heißt:
Wer für die kommenden Monate und Jahre keine Kontingente sichert, kauft später teurer. Die freien Mengen am Markt werden weniger, nicht mehr. Wer 2027 und 2028 erst im Herbst absichert, sichert zu Preisen, die andere mit ihren Tranchen längst hinter sich gelassen haben.
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