Strom richtig einkaufen.
Strombeschaffung im Vergleich: die vier Beschaffungsmodelle, ihre Chancen und ihre Risiken.
Die Wahl des Beschaffungsmodells ist eine eigenständige unternehmerische Entscheidung. Sie wirkt sich auf die Stromkosten in aller Regel stärker aus als die Wahl des Lieferanten. In vielen Unternehmen wird sie dennoch nicht ausdrücklich getroffen, sondern durch die Verlängerung bestehender Verträge fortgeschrieben.
Warum das Modell über den Preis entscheidet
Auf Ihrer Stromrechnung stehen drei Blöcke. Netzentgelte und staatliche Abgaben sind gesetzt. Verhandelbar ist allein der Energieanteil.
Schematische Darstellung. Die tatsächlichen Anteile hängen von Netzgebiet, Spannungsebene und Abnahmestruktur ab.
Der gesamte Spielraum liegt damit in einem Teilbetrag. Wie gut dieser Teilbetrag eingekauft wird, hängt weniger vom Namen des Lieferanten ab als davon, wann und in welcher Form gekauft wird.
Das Niveau
so viel zahlen Industriekunden in Deutschland und Österreich für Strom wie Wettbewerber in den USA und in China. Quelle: Eurostat, EIA, IEA
Die Bewegung
Negative Börsenpreise gibt es seit 2008 – neu ist ihre Häufigkeit: 97 Stunden 2016, 457 in 2024, über 570 in 2025. Im selben Jahr treiben windstille Winterabende die Preise auf ein Vielfaches. Quelle: SMARD (Bundesnetzagentur)
Zwei Unternehmen mit identischem Verbrauch zahlen für dieselbe Lieferperiode oft Preise, die um mehrere Cent je Kilowattstunde auseinanderliegen. Den Unterschied macht selten das Verhandlungsgeschick. Ihn macht die Frage, ob der Einkauf einer Strategie folgt oder einem Termin. Wie sich die Märkte aktuell entwickeln, sehen Sie stündlich aktualisiert im Energiemarkt Cockpit.
Ihr Hebel
Den Markt steuern Sie nicht. Ihre Beschaffungsstrategie schon. Sie entscheidet über den Preis.
Die vier Modelle
Alle vier führen zu einer Lieferung an dieselbe Marktlokation. Sie unterscheiden sich darin, wer welches Risiko trägt und wer es bezahlt. Welches davon zu Ihnen passt, entscheiden Sie anhand Ihrer Zahlen – nicht anhand des Angebots, das gerade auf dem Tisch liegt.
Festpreis
Sie vereinbaren an einem Stichtag einen Preis je Kilowattstunde für die gesamte Laufzeit. Der Lieferant kauft die Menge im Hintergrund ein und trägt anschließend das Marktrisiko.
Budgetsicherheit auf den Cent wichtiger ist als das Ergebnis, Strom einen kleinen Kostenblock darstellt oder im Unternehmen keine Kapazität für das Thema vorhanden ist.
Sie sind an das Preisniveau eines einzigen Tages gebunden. Liegt dieser Tag ungünstig, wirkt die Entscheidung über die volle Laufzeit fort, ohne Korrekturmöglichkeit.
Ein Festpreis schützt nicht vor hohen Preisen. Er friert das Niveau des Abschlusstages ein. Zusätzlich enthält er Aufschläge für Mengen- und Preisrisiken, die Sie in jedem Fall bezahlen, auch wenn keines dieser Risiken eintritt.
Spot
Sie zahlen den Börsenpreis, entweder stündlich oder als Monatsmittel, zuzüglich einer festen Servicegebühr. Es wird nichts im Voraus fixiert.
Verbrauch zeitlich verschoben werden kann und die Schwankung bilanziell tragbar ist. Klassisch bei flexibel gefahrenen Anlagen, bei Speichern oder wo Lasten planbar in günstige Stunden gelegt werden.
Nach oben gibt es quasi keine Obergrenze. Ein einzelner kalter, windstiller Monat kann die Ersparnis eines ganzen Jahres aufzehren. Die Rechnung steht erst zum Monatsende fest.
Über lange Zeiträume liegt Spot häufig unter dem Festpreis. Der langjährige Mittelwert bezahlt jedoch keine Januarrechnung. Entscheidend ist, ob die schlechten Monate durchgehalten werden, nicht ob der Durchschnitt stimmt.
Tranchen
Die benötigte Menge wird in Teile zerlegt und über einen längeren Zeitraum in mehreren Schritten am Terminmarkt fixiert, etwa in vier Schritten über zwölf Monate.
das Stichtagsrisiko des Festpreises vermieden werden soll, ohne in die volle Schwankung zu gehen. Sinnvoll ab einer Menge, bei der sich die Aufteilung rechnet.
Steigt der Markt durchgehend, erfolgt der Einkauf schrittweise nach oben. Der Aufwand ist real: Jede Fixierung ist eine Entscheidung, die getroffen werden muss.
Tranchen sichern keinen Preis, sie verteilen den Zeitpunkt. Das Ergebnis ist ein Durchschnitt. Wer Tranchen einsetzt, um den Markt zu schlagen, hat das Instrument missverstanden.
Portfolio
Der Bedarf wird nicht als ein Block eingekauft, sondern aus mehreren Bausteinen zusammengesetzt: Terminmarkt für den planbaren Grundbedarf, langfristige Lieferverträge aus Wind- oder Solarparks für den Kostenvorteil, Spot für den Rest. Die Aufteilung folgt Ihrem tatsächlichen Lastgang und wird über die Laufzeit an Markt und Verbrauch angepasst.
Planungssicherheit und Einsparpotenzial in einem Produkt, statt einer Entscheidung für eines von beiden. Weil das Risiko auf mehrere Instrumente und mehrere Zeitpunkte verteilt wird, fallen die pauschalen Aufschläge deutlich geringer aus, die ein Festpreis für ungewisse Ereignisse einkalkuliert. Servicegebühr, Bilanzkreis- und Profilkosten bleiben in jedem Modell bestehen.
Strom ein wesentlicher Kostenfaktor ist und aktiv gesteuert werden soll, ein viertelstundenscharfer Lastgang vorliegt und Planungssicherheit gewünscht ist, ohne auf das Einsparpotenzial zu verzichten.
Der Spot-Anteil bleibt offen und schwankt. Wie groß dieser Anteil ausfällt, legen Sie fest, und er lässt sich im Verlauf reduzieren. Der Vergleich mit einem Festpreisangebot erfordert den Blick auf die Gesamtkosten statt auf eine einzelne Zahl.
Häufig wird angenommen, ein Portfolio setze eigenes Handels-Know-how im Unternehmen voraus. Das ist nicht der Fall: Analyse, Steuerung und Ausführung liegen beim Anbieter, Ihre Aufgabe beschränkt sich auf die Freigabe der Strategie. Voraussetzung ist allerdings, dass Sie jeden einzelnen Beschaffungsschritt einsehen können.
Die Modelle im direkten Vergleich
Die Übersicht enthält keine Rangfolge. Sie zeigt, welches Risiko mit welchem Modell übernommen und welches abgegeben wird.
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| Kriterium | Festpreis | Spot | Tranche | Portfolio |
|---|---|---|---|---|
| Preissicherheit | hoch | keine | mittel | mittel bis hoch |
| Chance auf Kostenvorteil | gering | hoch | mittel | hoch |
| Budgetplanbarkeit | exakt | gering | gut | gut |
| Abhängigkeit vom Abschlusstag | sehr hoch | keine | gering | gering |
| Aufwand im Unternehmen | sehr gering | mittel | mittel | gering |
| Risikoaufschlag im Preis | hoch | keiner | mittel | gering |
| Übliche Mindestmenge | keine | ab 100 MWh | ab 750 MWh | ab 250 MWh |
Marktübliche Größenordnungen. Die Werte können je nach Anbieter abweichen.
Worauf es ankommt
Jedes abgegebene Risiko wird bepreist. Ein Lieferant, der eine feste Zahl für drei Jahre garantiert, kalkuliert einen Aufschlag für alles, was in diesen drei Jahren passieren kann. Diesen Aufschlag zahlen Sie in jedem Fall. Sie entscheiden deshalb bewusst, welche Risiken Sie abgeben und welche Sie günstiger selbst tragen.
Warum das Portfoliomodell für viele Mittelständler die beste Kombination ist
Festpreis, Spot und Tranche teilen eine Schwäche: Jedes Modell optimiert genau eine Größe und bezahlt dafür an anderer Stelle. Der Festpreis kauft Sicherheit und zahlt mit Aufschlägen. Spot kauft Chance und zahlt mit Unruhe. Tranchen kaufen Durchschnitt und zahlen mit Aufwand. Wer alle drei Ziele gleichzeitig verfolgt, kombiniert sie.
Terminmarkt
Planungssicherheit
Deckt den Anteil des Verbrauchs, der ohnehin jede Woche anfällt. Dieser Sockel macht den größten Teil Ihrer Kosten planbar.
Grünstrom-Verträge
Kostenvorteil
Langfristige Abnahme aus Wind- oder Solarparks, meist spürbar unter Terminmarktniveau, weil der Erzeuger Abnahmesicherheit erhält.
Spotmarkt
Flexibilität
Deckt den verbleibenden Rest ohne Aufschlag ab. Dieser Anteil bewegt sich mit dem Markt, bleibt dafür aber bewusst klein.
Die Beschaffung verteilt sich damit über mehrere Instrumente und mehrere Zeitpunkte. Fällt eine Einschätzung falsch aus, betrifft das einen Teil der Menge und nicht die gesamte Lieferperiode.
Zuschnitt auf Ihren Lastgang. Ein Dreischichtbetrieb, ein Bürostandort und ein Kühlhaus benötigen unterschiedliche Zusammensetzungen. Standardprodukte bilden das nicht ab, weil sie für alle gleich sind.
Einsehbare Beschaffungsschritte, nicht nur das Endergebnis. Damit wird überprüfbar, was der Strom tatsächlich kostet und welcher Anteil auf Beschaffung, Netz und Abgaben entfällt.
Mengenänderungen sind kein Vertragsproblem. Wächst oder schrumpft der Verbrauch, wird nachjustiert, statt Mehr- oder Mindermengen teuer abzurechnen.
Auswertung des Lastgangs zeigt Effekte, die unabhängig vom Preis wirken: Lastspitzen, auffällig teure Zeitfenster und die Frage, ob die Netzentgelte auf der richtigen Grundlage berechnet werden.
Wo das Modell nicht passt
Zur Ehrlichkeit gehört die Gegenprobe. Wenn ein Preis benötigt wird, der bis zur zweiten Nachkommastelle für drei Jahre feststeht, weil die Kalkulation daran hängt, ist der Festpreis das richtige Produkt und der Aufschlag der Preis dafür. Voraussetzung für den Zuschnitt ist außerdem ein viertelstundenscharf gemessener Verbrauch. Wo nur nach Standardlastprofil abgerechnet wird, fehlt die Datengrundlage.
In allen anderen Fällen
Mit einem Portfolio sichern Sie den größten Teil der Planbarkeit eines Festpreises und holen sich zugleich einen erheblichen Teil des Kostenvorteils des Spotmarktes. Handelskompetenz müssen Sie dafür nicht aufbauen, das übernimmt Ihr Anbieter. Wie das in der Praxis umgesetzt wird, zeigt die Seite Mittelstand & Industrie.
Fünf Fragen vor der nächsten Entscheidung
Wann läuft Ihr aktueller Vertrag aus, und wann müssen Sie spätestens kündigen?
Wer erst vier Wochen vor Ende beginnt, hat kein Modell mehr zur Wahl, sondern nur noch einen Zeitpunkt.
Das Timing übernehmen wir: Das Preisfenster beobachtet den Terminmarkt für Ihren Bedarf und meldet sich, wenn ein Abschluss deutlich günstiger ist – kostenlos und ohne Wechselzwang.
Wie hoch ist Ihr Jahresverbrauch je Lieferstelle, und liegt ein Lastgang vor?
Ohne diese beiden Angaben bleibt jede Aussage über Modelle unverbindlich.
Wie viel Schwankung verträgt Ihre Kalkulation innerhalb eines Jahres?
Maßstab ist nicht, was angenehm wäre, sondern was tatsächlich tragbar ist.
Können Sie Verbrauch zeitlich verschieben?
Bereits kleine Spielräume verändern die Bewertung deutlich.
Wer im Unternehmen verantwortet das Thema, und wie viel Zeit steht dafür zur Verfügung?
Ein Modell, das niemand betreut, ist kein Modell.
Sprechen wir über Ihren Fall
Für eine belastbare Einschätzung benötige ich drei Angaben:
- 1Ihren Lastgang der letzten zwölf Monate
- 2Ihre aktuelle Jahresrechnung
- 3Das Ende Ihres laufenden Vertrages
Daraus ergibt sich, welche Modelle für Sie in Frage kommen und was ein Wechsel rechnerisch bringt.
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