Der reine Beschaffungspreis für Strom liegt aktuell bei rund 98 €/MWh (Year-Ahead, EEX) — weniger als die Hälfte des Jahresdurchschnitts 2022. Erdgas (TTF Front-Month) notiert bei etwa 56 €/MWh, ein Drittel des Krisenniveaus. Wer jetzt einen Anschlussvertrag verhandelt, hat einen enormen Hebel. Zehntausende Strom- und Gasverträge, die auf dem Preisniveau von 2022/23 abgeschlossen wurden, laufen in diesen Wochen und Monaten aus. Die Straße von Hormus ist blockiert, die Gasspeicher stehen bei 28 Prozent, der Iran wird militärisch angegriffen — und trotzdem liegt der reine Energiepreis weit unter dem Niveau, zu dem damals eingekauft wurde. Wer jetzt seinen Anschlussvertrag verhandelt — oder prüft, ob eine vorzeitige Ablösung möglich ist — kann 50 bis 60 Prozent beim reinen Energiepreis einsparen.

Alle Preise in diesem Beitrag: reine Energiekosten (Beschaffung + Marge), netto, ohne Netzentgelte, Steuern, Umlagen und Konzessionsabgabe.

Wen betrifft das konkret?

Dieser Beitrag richtet sich an vier Gruppen, die wir in der Praxis immer wieder sehen:

Gruppe 1: Ihr Festpreisvertrag aus 2022/23 läuft jetzt aus
Die größte Gruppe. Wer Ende 2022 oder Anfang 2023 einen Festpreisvertrag mit 24 oder 36 Monaten Laufzeit abgeschlossen hat, steht jetzt vor dem Anschlussvertrag. Damals war der Abschluss richtig — Preissicherheit in der Krise. Aber das Preisniveau, zu dem Sie eingekauft haben, existiert am Markt nicht mehr.
Typisches Profil: Mittelständische Fertigung, produzierendes Gewerbe, Filialisten — Verbrauch ab 150.000 kWh aufwärts. Vertragslaufzeit endet Q1–Q3 2026.

Gruppe 2: Ihr Vertrag wurde automatisch verlängert
Der alte Vertrag ist ausgelaufen, niemand hat rechtzeitig gekündigt, der Versorger hat stillschweigend verlängert. Die neuen Konditionen sind oft besser als 2022 — aber weit entfernt vom aktuellen Marktniveau.
Typisches Profil: Kleinere Gewerbebetriebe ohne dedizierten Energieeinkauf — Handwerk, Gastronomie, Einzelhandel.

Gruppe 3: Sie stecken in der Ersatz- oder Grundversorgung
Der Vertrag ist ausgelaufen, kein Anschlussvertrag wurde geschlossen, und der Grundversorger liefert zu seinen Standardkonditionen. Das ist fast immer der teuerste Tarif am Markt.
Typisches Profil: Betriebe, bei denen der Vertrag „durchgerutscht“ ist — oft nach Inhaberwechsel, Umzug oder Umfirmierung.

Gruppe 4: Sie haben einen Vertrag mit Preisgleitklausel
Kein Festpreis, sondern eine Formel, die an einen Index gekoppelt ist. Der Preis schwankt mit dem Markt — aber die Marge des Versorgers bleibt konstant hoch. Und die Formel bildet den Markt oft nur verzögert oder unvollständig ab.
Typisches Profil: Größere Gewerbe- und Industriekunden mit Sondervertrag.

Was bedeutet das in Euro?

Ein Beispiel: Ein mittelständischer Betrieb mit 500.000 kWh Stromverbrauch pro Jahr.

Vertragspreis aus 2022: ca. 22 ct/kWh (reiner Energiepreis)
Aktueller Marktpreis: ca. 10 ct/kWh (reiner Energiepreis)
Differenz: 12 ct/kWh
Ersparnis pro Jahr: 60.000 €

Bei Gas ist der Hebel ähnlich. Ein Betrieb mit 1.000.000 kWh Gasverbrauch:

Vertragspreis aus 2022: ca. 14 ct/kWh
Aktueller Marktpreis: ca. 5,5 ct/kWh
Differenz: 8,5 ct/kWh
Ersparnis pro Jahr: 85.000 €

Warum ist der Preis so gefallen — trotz Krise?

Vier Faktoren:
1. LNG-Überangebot in Europa
Die Importkapazitäten für Flüssiggas wurden massiv ausgebaut. Europa hat aktuell mehr Zugang zu LNG als vor der Krise zu russischem Pipeline-Gas.

2. Industrielle Nachfrage dauerhaft niedriger
Viele energieintensive Betriebe haben Produktion verlagert, Prozesse elektrifiziert oder Kapazitäten stillgelegt. Die Nachfrage ist strukturell gesunken.

3. Erneuerbaren-Ausbau drückt den Strompreis
Mehr Wind- und Solarkapazität bedeutet mehr Stunden mit niedrigen oder negativen Börsenstrompreisen. Das senkt den Jahresdurchschnitt.

4. Spekulative Prämien sind abgebaut
2022 war ein großer Teil des Preises Risikoprämie. Diese hat sich normalisiert.

Was sollten Sie jetzt tun?

Schritt 1: Vertrag prüfen
Wann läuft Ihr aktueller Vertrag aus? Gibt es eine automatische Verlängerung? Wie lang ist die Kündigungsfrist?

Schritt 2: Reinen Energiepreis isolieren
Vergleichen Sie nicht den Gesamtpreis, sondern nur den Commodity-Anteil. Netzentgelte, Steuern und Umlagen sind reguliert und für alle Anbieter gleich.

Schritt 3: Mehrere Angebote einholen
Mindestens drei. Achten Sie auf identische Vertragslaufzeiten und Preismodelle, damit die Angebote vergleichbar sind.

Schritt 4: Tranchenbeschaffung prüfen
Statt den gesamten Bedarf zu einem Zeitpunkt einzukaufen, verteilen Sie die Beschaffung auf mehrere Tranchen über Wochen oder Monate. Das reduziert das Risiko, zum falschen Zeitpunkt abzuschließen.

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Ob Ihr Festpreisvertrag gerade ausläuft, automatisch verlängert wurde oder Sie in der Ersatzversorgung stecken — die Differenz zwischen Ihrem aktuellen Preis und dem Marktniveau ist in fast allen Fällen fünfstellig. Bei größeren Betrieben sechsstellig.
Das steht auf Ihrer Rechnung. Jeden Monat.

Häufige Fragen

Wie hoch ist der reine Strompreis für Industriekunden aktuell?
Der Beschaffungspreis (ohne Netz, Steuern, Umlagen) liegt bei 9,5 bis 11,5 ct/kWh, je nach Abnahmeprofil und Vertragslaufzeit.
Wie hoch ist der reine Gaspreis für Gewerbe und Industrie aktuell?
Der Beschaffungspreis liegt bei etwa 4,5 bis 7 ct/kWh, abhängig von Abnahmemenge und Vertragslaufzeit. Der TTF-Front-Month notiert bei rund 56 €/MWh.
Mein Festpreisvertrag aus 2022 läuft gerade aus. Was soll ich tun?
Anschlussvertrag verhandeln und dabei den reinen Commodity-Anteil als Vergleichsbasis nehmen. Mehrere Angebote einholen. Eine Tranchenbeschaffung über mehrere Monate reduziert das Timing-Risiko.
Kann ich einen noch laufenden Energievertrag vorzeitig kündigen?
Möglicherweise. Wenn Ihr Versorger einseitige Änderungen vorgenommen hat — etwa bei Umlagen oder Preisgleitklauseln — kann ein Sonderkündigungsrecht nach § 41 EnWG bestehen.
Lohnt sich ein neuer Vertrag trotz der geopolitischen Unsicherheiten?
Der Marktpreis liegt selbst mit Risikoaufschlag deutlich unter typischen Vertragspreisen aus 2022/23. Durch Tranchenbeschaffung lässt sich das Restrisiko zusätzlich senken.

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